Synopsis

Komm, wir träumen!
Eine Geschichte von der Liebe.

Eckart absolviert seinen Zivildienst in einer Behindertenwerkstätte.
Dort trifft er auf die geistig behinderte Ulrike, die als hoffnungsloser Fall gilt.
Dank seiner intensiven Zuwendung macht Ulrike erstaunliche Fortschritte.
Eckart gewinnt Ulrikes Zuneigung und bald will sie bei ihm "nachten".
Und auch Eckart sehnt sich insgeheim nach mehr.
Aber wo soll das enden?
Da taucht eine neue, sympathische Kollegin auf. Bei ihr erhofft sich Eckart die Lösung seiner Probleme. Doch er gerät nur noch tiefer in die Klemme.
Als Ulrike bei einer Freizeit in Eckarts Bett entdeckt wird, ist plötzlich alles aus:
Ulrike fliegt.
Eckart quittiert den Dienst.

Ulrike
Eine geistig Behinderte, die v.a. durch ihre Ausbrüche Schwierigkeiten macht. Sie kann von einer Sekunde zur anderen ebenso wütend wie zudringlich werden. Ulrike scheint Emotionen direkt umzusetzen, ohne nachzudenken. Sie ist jung, verlangt nach Liebe wie jeder andere Mensch auch. Und bald will sie bei Eckart "nachten"

Eckart
Ein sympathischer Zivi, frisch von der Schulbank mitten hinein ins "Behindertenleben". Er nimmt sich Ulrikes an, nicht zuletzt um seine Kompetenz zu demonstrieren. Und er hat Erfolg: Ulrike beruhigt sich, macht zusehends Fortschritte. Doch je mehr sie sich öffnet, desto mehr gerät Eckart in eine Zwickmühle - denn auch er fühlt sich zu ihr hingezogen. Aber kann er, darf er diesem Gefühl nachgeben?

Let us dream!
A story about love
Eckart is spending his conscription army time doing social work at a workshop for handicapped people.
Here he meets mentally retarded Ulrike who is thought to be a hopeless case.
Due to his intense devotion to her, she improves amazingly.
Eckart wins Ulrike’s affection, moreover her love.
To what possible end though?
A new co-worker turns up. Eckart hopes she might be the answer to his problems. But things take a turn for the worse.
When, on a recreational holiday, Ulrike is found in Eckart’s bed everything comes to an end:
Ulrike is expelled. Eckart quits his job.

Viens, allons rêver!
Une histoire sur l'amour
Eckart effectue son service civil dans un atelier pour handicapés.
Là, il rencontre Ulrike, handicapée mentale que l'on considère comme cas  désespéré.
Grâce à l'attention qu'il lui porte, Ulrike fait d'étonnants progrès.
Ulrike lui témoigne son affection, voire son amour.
Et Eckart aussi aspire bientot à davantage.
Mais, où cela va-t-il les mener?
Un jour, apparait une nouvelle collègue sympathique. Avec son aide,  Eckart pense pouvoir trouver la solution de ses problèmes.
Mais, hélas, il sombre davantage dans ces derniers.
Un jour, lors d'une sortie, on découvre Ulrike dans le lit d'Eckart et tout prend fin.
Ulrike est renvoyée.
Eckart quitte son service.  

Die Vorlage
ab 3. Mai 2006 wieder lieferbar

Volker Jehle:
Ulrike
2., unveränderte Auflage, Tübingen 2006.
Klöpfer & Meyer
ISBN 3-937667-79-2

Signierte bzw. persönlich gewidmete Bücher bei den Filmpremieren oder direkt über den Autor Volker Jehle
Homepage Volker Jehle

Eine ganz normale Liebesgeschichte.
Normal!? "Normal" gibt es nicht!

"Ein Buch, das beweist, es können durchaus noch lebenssatte, betroffen machende, rauhe, schöne und ganz unverstellt menschliche Wirklichkeitsgeschichten aus den Schattenfeldern unserer Gesellschaft erzählt werden."
Stuttgarter Zeitung


Statement
Von Leo Hiemer

Zur Vorlage
Das Buch von Volker Jehle hat mich sofort gefesselt. Der Autor beschreibt minitös die Annäherung zwischen dem jungen Zivi und dem geistig behinderten Mädchen und auch die Irritationen, die Probleme, die da bald auftauchen. Das waren ausgezeichnete Voraussetzungen für einen herausragenden Film. Volker Jehle hatte bereits eine Drehbuchfassung erstellt, die zum 1. Baden-Württembergischen Drehbuchpreis nominiert wurde. Ich habe mich gleich mit Volker Jehle zusammengesetzt und das Drehbuch zur Drehreife weiter entwickelt. Die Geschichte, die Volker da aufgeschrieben hatte, beruhte auf eigenen Erlebnissen als Zivildienstleistenden Anfang der siebziger Jahre, der Film aber sollte in der Jetztzeit in einer Behindertenwerkstätte realisiert werden; das brachte eine Menge Herausforderungen mit sich. Nicht nur die Verhältnisse, auch die Zeiten und damit die jungen Leute hatten sich in der Zwischenzeit verändert. Sogar während der Dreharbeiten haben wir noch kurzfristig ganze Szenen umgeschrieben, um den Film so glaubwürdig und intensiv wie möglich zu machen.

Zur Geschichte
Auf den ersten Blick erzählt der Film eine Geschichte im Behindertenmilieu. Vielleicht denkt man, der Film ist nur etwas für Behinderte oder Leute, die mit Behinderten umgehen, sei es als Betreuer, Angehörige oder Freunde. Aber der Film erzählt ja eine Liebesgeschichte, die Geschichte von Eckart und Ulrike. Zwei Menschen sind ja immer, mehr oder weniger, verschieden. Eckart und Ulrike sind einmal getrennt durch ihre soziale Rolle: hier der Betreuer, hier die Betreute, hier der Pädagoge, hier das Objekt seiner Bemühungen. Dazu kommt, dass Ulrike als geistig behindert gilt. Das Interessante an der Geschichte war für mich von Anfang an aber nicht die Frage: Was fehlt der Ulrike eigentlich? Was hat sie? Worin besteht ihre Behinderung? Also die Fragen nach Diagnose, Therapie und Prognose. Je länger ich mich mit der Geschichte beschäftigte, desto mehr hatte ich das Gefühl, die Nicht-Behinderten benutzten Diagnosen lediglich als Abgrenzung, als Beweis ihrer eigenen Normalität. Dabei sind gerade geistige Behinderungen oft ein unentwirrbares Konglomerat aus angeborenen und erworbenen, psychischen und sozialen Defekten. Irgendwann schleuderte ich einer Redakteurin, die partout wissen wollte, wie Ulrikes Krankheit heißt, entgegen: Ulrikes Krankheit heißt Ulrike! Und da liegt für mich tatsächlich ein Schlüssel zu der Geschichte. Es geht ja nicht um die Liebe zwischen einem Normalen und einer Gestörten. Auch Eckart spürt Behinderungen in seinem Seelenleben, in seinen Emotionen, in dem, was er ausleben kann. Seine Behinderung heißt Eckart! Es geht in der Geschichte letztlich um eine Parabel auf Beziehungen überhaupt. Auf die Frage, wie können, dürfen, wollen wir uns auf unser Liebesobjekt überhaupt einlassen? Wie viel Nähe sind wir in der Lage zuzulassen? Wo liegt ein normales, gesundes Maß? Dass Ulrike, egal was sie behindert, das Menschenrecht auf Liebe hat, steht für mich außer Zweifel. Ich weiß, dass Liebe im Alltag – auch von Behinderteneinrichtungen - immer Probleme macht. Aber sie lässt sich – zum Glück! – auch nicht verbieten. Wir können nur mit ihr leben – oder ohne sie. Mein Freund Klaus Kugel, der mit für die Filmmusik verantwortlich ist, hat es einmal auf den Punkt gebracht: Auf einer einsamen Insel wären die beiden ein Paar geworden. Ich hoffe, der Film erlaubt die Reflektion auf eigene Beziehungsmuster und allgemein den liebevollen Umgang mit dem/der Anderen.

Zur Produktion
Nach einer Förderung der Produktionsvorbereitung durch die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg konnten wir mit der Realisierung beginnen. Der Film wurde durchkalkuliert, die Hauptdarsteller gesucht, eine Behindertenwerkstätte gesucht, in der gedreht werden könnte. Leider haperte es dann schwer mit der Förderung der Produktion. Drei Mal wurden wir in Baden-Württemberg abgelehnt, obwohl mit einer Produktionsförderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien die größte bundesweite, rein kulturelle Filmförderung das Projekt unterstützt hatte. Auch bei den Fernsehsendern sind wir abgeblitzt. Keinen Erfolg hatten wir auch bei den Filmförderungen in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Wir waren drauf und dran, das Projekt zu begraben. Doch dann ergab sich doch noch eine Möglichkeit, als mein Freund Gerhard Baier, als Geschäftsführer bei der Firma mediarent in München ausschied. Gerne wollte er mithelfen, den Film auf die Beine zu stellen. Als ausgemachter Experte für HD, das heißt hochauflösende Videosysteme, mit denen sich auch Kinokopien problemlos herstellen lassen, und wegen der besonderen Anforderungen an das Drehverhältnis, die Dreharbeiten mit behinderten Menschen mit sich bringen, riet er uns zum Drehen auf HD. Schauspieler, Teammitglieder sowie einige Dienstleister trugen dann mit weitreichenden Rückstellungen dazu bei, dass der Film finanziert werden konnte. Der Film hatte ein Budget von ca. € 750.000.-


Statement
Von Volker Jehle

Man muss sich als Autor, dessen "Roman" verfilmt und dessen Drehbuch keine Heilige Schrift, sondern Arbeitsgrundlage ist, irgendwann im Lauf dieser (im Fall "Ulrike" und für mich siebenjährigen) Prozesse klarmachen, wie ich's beim Drehen schließlich getan und gesagt habe: das gedruckte Buch war meine Sache, der Film wird Leos Sache. Diese Haltung mag für einen Autor außergewöhnlich sein, von mir aus, ich steh oft allein da. Aber ein Autor, der es nicht schafft, sich zu dieser Haltung durchzuringen, macht sich und, vor allem, alle anderen verrückt, was ihm und allen anderen schadet, am meisten aber der Fertigstellung des Films.
Nun freu ich mich, dass es den Film gibt, und ich freu mich am Film selbst. Das fundamentale Anliegen meines Buches ist ausgezeichnet übersetzt. Natürlich hat ein Autor ständig Einwände. Aber es gibt nichts, bei dem ich sagen würde: das versaut's mir, und es gibt nirgends einen Grund mich aufzustraußen (was eh nicht mein Ding ist) wie z. B. Kroetz gegen Faßbinder in Sachen "Wildwechsel" damals.
Ich bin dankbar allen, die mitgeholfen haben, dass der Film hat entstehen können, vor allem Leo, und ich bin froh, dass der Film endlich auf die Menschheit losgelassen wird, auf eine möglichst große, sie hat ihn dringend nötig.